Radsport bei den Paralympics

Wie bedeutend die Paralympics heutzutage sind, hat man eigentlich erst in London gesehen. Nicht nur sind bereits etliche deutsche Teilnehmer zu Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen gelangt, sondern auch die Publikumsbeteiligung lässt darauf schließen, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung mittlerweile sehr hoch ist.

Die jüngsten Skandale um Lance Armstrong und sein jahrelanges Doping lassen Fragen aufkommen. Man möchte unweigerlich wissen, wie es die Leistungssportler im Behindertensport halten. Kann es einen professionellen Radsport ohne Doping geben? Auch Bahnradsportler Tobias Graf, der soeben die paralympische Bronzemedaille nach Hause geholt hat, wird dazu schweigen. Interessant ist aber, dass ein Chinese das 1000 Meter-Zeitfahren gewinnen konnte. Der Verdacht liegt nahe, dass man in China nicht ganz so viele Skrupel in Doping-Angelegenheiten hat. Mit nur einem Bein einen Kilometer auf hohem Niveau Rennrad zu fahren, verlangt einem Sportler Kräfte ab, die man sicher gerne optimiert. Bisher aber hat der Radrennsport bei den Paralympics keine Skandale vorzuweisen. Man wünscht sich, dass es auch so bliebe. Vielmehr wünscht man sich saubere Helden wie den ehemaligen Rennfahrer Alex Zanardi, der nach einem Unfall auf dem Lausitzring im Rollstuhl sitzt. Sport macht der Mann trotzdem noch. Er möchte bei den Londoner Paralympics zeigen, dass man auch nach so einem Unfall Rennen gewinnen kann.

Für Alex Zanardi, mittlerweile 45 Jahre alt, scheint es kein größeres Problem gewesen zu sein, vom Boliden in einen Rollstuhl zu wechseln. Er feiert das Leben auch als Behinderter ohne Beine, denn nachdem er sieben mal reanimiert wurde, hat das Leben für ihn eine besondere Bedeutung erhalten. Es passt einfach nicht zu einem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer, nur ein Leben als Couch Potato zu führen und den rasanten Wettbewerb zu scheuen. Weniger PS auf die Strecke zu bringen, nimmt er mit Humor. Heute bringt Alex Zanardi nur noch knappe 45 Stundenkilometer auf die Straße: im paralympischen Einzelzeitfahren nämlich. Dafür aber auf einer ehemaligen Formel-1-SRennstrecke, die er gut kennen dürfte: In Brands Hatch. Die ist inzwischen für Formel-1-Rennen nicht mehr im Betrieb. Dass Zanardi eine Medaille nach Hause bringen möchte, versteht man nur zu gut. Es wäre auch eine angemessene Belohnung für einen Mann, der sich keinen Moment aufgegeben hat und auch nach dem Verlust zweier Beine zum paralympischen Sieger werden möchte. Wer keine Ziele im Leben hat, in dem schlägt eben kein echtes Sportlerherz. Über allem Heldentum auf der Radrennstrecke sollte man aber nie vergessen, dass hinter jedem paralympischen Sieger auch ein Einzelschicksal steht, das Würdigung erfahren sollte.